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Rektumkarzinom / Enddarmkrebs / Mastdarmkrebs (Dickdarmkrebs) - Definition und Fakten

Operationsname, Definition: Operation des Rectumcarcinoms (Enddarmkrebs) / Synonyme Rektumkarzinom, Mastdarmkrebs

Das Endstück des Dickdarms wird als Mast- oder Enddarm (Rektum) bezeichnet. Es ist der Übergang des Dickdarms zum Ausgang (After, Anus) und sitzt tief im Becken. Ein Enddarmkrebs bzw. Rektumkarzinom liegt vor, wenn sich an diesem Endstück des Dickdarms eine bösartige Geschwulst entwickelt hat. Dieser Krebs kann sich durch Blutabgänge und Stuhlunregelmäßigkeiten bemerkbar machen oder in der Vorsorge-Koloskopie entdeckt werden. Der Krebs befällt Frauen wie Männer gleichermaßen und tritt meist jenseits des 60. Lebensjahres auf.

Der Enddarmkrebs ist eine Unterform vom Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) und unterscheidet sich von jenem durch den höheren Schwierigkeitsgrad der Operation und die Anwendung der Strahlentherapie. Dickdarm- und Enddarmkrebs werden als kolorektale Karzinome bezeichnet.

Die hier beschriebenen Operationen kommen ganz überwiegend beim Enddarmkrebs zur Anwendung. Beim Tumor-Sitz im oberen Enddarm erfolgt i.d.R. die anteriore Rektumresektion, im mittleren Enddarm die tiefe anteriore Rektumresektion mit totaler mesorektaler Excision und im unteren die abdomino-perineale Resektion. Bei den ersten beiden Operationen wird häufig ein vorübergehender künstlicher Darmausgang angelegt, bei letzterer ist dieser sogar obligat. Die Ausräumung des Lymphabflussgebietes gehört bei den Krebsoperationen immer dazu. Nur selten werden die aufgeführten Operationen aus anderen Gründen durchgeführt, wie z.B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder schwerer Verletzung.

Hintergrundinformationen: Die Standardoperationen der radikalen Krebschirurgie sind …

  • Anteriore Rektumresektion= Teilentfernung des Rektums (Enddarm oder Mastdarm) mit direkter Naht des Dickdarms an den Rest-Enddarm,
  • Tiefe anteriore Rektumresektion mit TME (total mesorektaler Excision)=komplette Entfernung des Enddarms mit dem umhüllenden Fettgewebe bis zum Beckenboden/After mit komplexer Rekonstruktion des Enddarms durch den Rest-Dickdarm,
  • Abdomino-perineale Rektumexstirpation mit Colostoma (Rektumamputation) =vollständige Rektum-Entfernung zusammen mit dem After und künstlicher Darmausgang in der Bauchdecke.

Traditionell wurden diese Krebsoperationen offen über einen langen Bauchschnitt erledigt. Moderne Chirurgen können neuerdings diese Eingriffe laparoskopisch (minimal invasiv oder per Bauchspiegelung) entfernen. Damit kann auf den großen Bauchschnitt verzichtet werden, was die Erholung nach der Operation beschleunigt. In Studien konnte gezeigt werden, dass geübte Chirurgen mit diesen minimal invasiven Techniken genauso radikal den Krebs beseitigen können wie auf  die traditionell offene Weise.

Ausnahmeoperationen sind:

  • eingeschränkt radikale Operationen bei Frühstadien des Darmkrebses, wie die endoskopische Abtragung oder transanale (durch den After hindurch) Vollwandentfernung,
  • die  supraradikalen Operationen für den in Nachbarorgane ausgebrochenen Tumor oder für Tumorrezidive (Wiederauftreten von Krebs) im Becken mit Entfernung der befallenen Nachbarorgane, wie Harnblase und Harnleiter, Prostata, Scheide, Gebärmutter oder die seitlichen Lymphknoten an der Beckenwand,
  • die Kombinations-Eingriffe bei Vorliegen von Zweittumoren im Darm, was im Schnitt bei bis zu 5% der Fälle auftreten kann; Die Wahrscheinlichkeit ist bei Krebs mit genetischem Hintergrund (HNPCC) deutlich erhöht. Ist der Krebs auf dem Boden einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa) oder der angeborenen familiären Polyposis (FAP) entstanden, ist die vollständige Dickdarm- mit Enddarmentfernung obligat. In dieser Situation wird der Dünndarm mit einer komplexen Rekonstruktion (ileo-analer Pouch) direkt an den After angeschlossen.

Andere Operationen, wie z.B. Entfernung von Lebermetastasen oder Korrekturen von Narbenbrüchen, werden in Anbetracht der Komplexität der Rektumchirurgie einerseits und des meist höheren Alters der Patienten andererseits üblicherweise nicht gleichzeitig durchgeführt.

Häufig wird bei anterioren Rektumresektionen ein vorübergehender künstlicher Darmausgang an der Bauchdecke (Stoma oder Anus praeter) angelegt, um die Einheilung im Becken durch die Umleitung des Stuhls zu verbessern.

Enddarmentfernungen haben einen sehr hohen Schwierigkeitsgrad, dauern mehrere Stunden und sind deshalb Spezialisten vorbehalten. Da der Enddarmkrebs multimodal behandelt wird und infolge dessen häufig bestrahlt und chemotherapiert wird, sollte die Behandlung in einem zertifizierten Darmzentrum erfolgen. Der erfahrene Chirurg kann diese Operation auch beim betagten Patient bzw. Risikopatient mit großer Sicherheit und i.d.R. ohne Blutverlust  durchführen. Heute kann bei den allermeisten Patienten der Schließmuskel (After) erhalten werden, indem aus dem verbliebenen Dickdarm eine Art Enddarm konstruiert wird. Bei komplikationsloser Einheilung hat der Patient eine natürliche Darmentleerung mit ordentlicher Funktion und sehr guter Lebensqualität.

Herkunft und Entwicklung: Enddarmentfernungen wurden erstmals vor etwa 100 Jahren entwickelt und gelten seither als besonders anspruchsvolle und komplexe Eingriffe, die vom Operateur Geschick und Erfahrung abverlangt. Die heute allgemein akzeptierten Prinzipien gehen auf den Engländer W. Heald zurück, der die totale mesorektale Excision in den 90er Jahren des letzen Jahrhunderts in Europa und der ganzen Welt verbreitete. Seine Technik orientiert sich an den embryonalen Grenzschichten, wodurch die onkologischen Ergebnisse drastisch verbessert wurden (weniger Rezidive (Wiederauftreten) und längeres Überleben). Gleichzeitig ist die Rate an kompletten abdomino-perinealen Excisionen mit dauerhaftem künstlichem Darmausgang zurück gegangen. Die minimal invasive (laparoskopische oder Schlüsselloch) Operationsmethode verfolgt dieselben Operationsschritte, vollzieht sie aber mittels digitaler Videotechnik und langer sondenartiger Spezialinstrumente. Diese schonende, aber höchst anspruchsvolle Methode ist neu und wird bisher nur von ausgewiesenen Experten beherrscht.

Facharzt dieser Operation: Die Austastung des Enddarms durch den After ist eine Standarduntersuchung, die jeder Arzt beherrschen und beim Routine-Check-Up oder bei gezielter Fragestellung durchführen muss. Darmspiegelungen hingegen sind Sache des Facharztes (Chirurgen, Gastroenterologen, Proktologen). Der operierende Arzt muss Viszeralchirurg sein.

Häufigkeit pro Jahr: Genaue Zahlen darüber liegen nicht vor. Schätzungsweise werden pro Jahr mehr als 30.000 Deutsche mit Enddarmkrebs neu diagnostiziert, so dass die Operationszahlen wohl in diesem Bereich liegen dürften. In zertifizierten Darmzentren wird eine Mindestzahl von 20 Operationen im Jahr gefordert. Große Kliniken haben ein Operationsvolumen von mehr als 50 pro Jahr.

Stationär / Ambulant: Die mehrstündige Operation wird immer stationär durchgeführt. In der Regel wird der Patient nach der Operation mehrere Tage auf der Intensivstation überwacht. Die Krankenhausaufenthaltsdauer beträgt 1-2 Wochen, kann sich aber bei Komplikationen erheblich verlängern.

Kosten der Operation und Kostenübernahme durch die Krankenkasse: Für die Operation gibt es eine sogenannte Kostenpauschale (DRG). Sie beträgt ca. 10.000 Euro. Im Allgemeinen kommt die Krankenkasse für die Kosten der Operation auf.

Artikelinformationen

Autor:

  • Profilbild Prof. Dr. med. Dr. h.c. Norbert Runkel

    Prof. Dr. med. Dr. h.c. Norbert Runkel

    78050 Villingen-Schwenningen

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