QUICKLINKS

Die ambulante Operation

Im Vergleich zu anderen Ländern finden in Deutschland noch verhältnismäßig weniger ambulante Operationen statt. In Ländern wie bspw. die USA oder England sind ca. 80% aller Operationen bereits ambulante Operationen. In Deutschland liegt der Vergleichswert bei ca. 37%. Von einer ambulanten Operation ist die Rede, wenn der Operierte noch am Tag des Eingriffs nach Hause gehen kann. Ambulante Operationen werden zum einen in chirurgischen Kliniken und zum anderen in entsprechend ausgestatteten, chirurgischen Praxen oder ambulanten OP-Zentren durchgeführt.

Falls Sie gerinnungshemmende Medikamente - wie z.B. Marcumar - einnehmen, sprechen Sie bitte mit Ihrem Hausarzt/Internisten/Kardiologen. Bei Einnahme anderer blutverdünnender Medikamente, welche Acetylsalicylsäure (ASS), Ticlopidin oder Clopidogrel enthalten, sprechen Sie bitte ebenfalls mit Ihrem behandelnden Arzt, um diese acht Tage vor der ambulanten Operation abzusetzen. Falls Sie Patient mit Diabetes mellitus Typ II sind und mit metforminhaltigen Präparaten behandelt werden, müssen Sie auch mit Ihrem behandelnden Arzt darüber sprechen und die Einnahme zwei Tage vor der ambulanten Operation stoppen.

Wichtig: Zu beachten ist, dass Sie Medikamente nicht eigenhändig absetzen, sondern dies ausschließlich nur in Absprache mit Ihrem Arzt machen dürfen.

Untersuchungen und Termine

Findet der ambulante Eingriff unter lokaler Betäubung statt, müssen keine speziellen Voruntersuchungen durchgeführt werden. Bei einer ambulanten Operation unter Vollnarkose hingegen sind Voruntersuchungen notwendig, welche meistens der Hausarzt übernimmt: Laboruntersuchung des Blutes (Blutbild, Leber, Nierenwerte und Gerinnung), EKG, Röntgenuntersuchung der Lunge etc.

Bis 6 Stunden vor der ambulanten Operation dürfen Sie noch in kleineren Portionen essen und trinken. Danach ist Essen, Trinken und Rauchen nicht mehr erlaubt. Ausnahme: In geringen Mengen können Sie jedoch bis zu 2 Stunden vor der Operation noch Wasser, Tee oder Limonade trinken. Falls Sie Arzneimittel einnehmen, können Sie diese auch noch kurz vorher mit etwas Flüssigkeit einnehmen.

Auf Kosmetika sollten Sie am Tag der ambulanten Operation verzichten. Körperschmuck (inklusive Piercings) und Kontaktlinsen, herausnehmbare Zahnprothesen und Ähnliches müssen vor der Operation abgelegt werden.

Ungefähr ein bis drei Tage vor der ambulanten Operation finden ein Narkosegespräch und eine Untersuchung durch den Narkosearzt statt. Hier fragt er Sie u.a. nach früheren Erkrankungen, nach Medikamenteneinnahme, nach eventuellen Allergien, nach Tabak- und Alkoholkonsum. Der Blutdruck wird gemessen, Herz und Lunge werden untersucht. Bitte bringen Sie zu diesem Gespräch die Befunde vom Hausarzt und den ausgefüllten Narkoseaufklärungsbogen mit.

Ein Aufklärungsgespräch mit dem Facharzt, der die ambulante Operation bei Ihnen durchführt, findet ebenfalls statt. Hier werden Ablauf, Nutzen und Risiken der Operation besprochen und Sie erhalten einen Aufklärungs- und Einwilligungsbogen. Diesen müssen Sie zur Operation unterschrieben mitbringen. Auch werden in diesem Gespräch alle noch offenen Fragen geklärt.

Sie sind Privatpatient? In diesem Fall verpflichten Sie sich zur Zahlung der entstehenden Krankenhauskosten. Diese Kosten werden von Ihrer privaten Krankenkasse im tariflichen Umfang erstattet.

Unterlagen, Papiere und Medizinische Befunde

Für Ärzte und Pflegekräfte:

  • wichtige Befunde (bspw. Arztbriefe früherer ambulanter oder stationärer Aufenthalte, Befunde vom Kardiologen oder von Herzkatheteruntersuchungen, EKG, EEG, Untersuchungsbefunde von Schilddrüsenuntersuchungen, Lungenfunktionsprüfung)
  • Aufnahmen radiologischer Untersuchungen wie Röntgen, MRT, CT, Szintigraphie
  • Medikamentenplan / Aufstellung der vom Arzt gegenwärtig verordneten Medikamente (möglichst mit Originalverpackung)
  • Vorhandene Gesundheitspässe oder Ausweise (bspw. Antikoagulantienausweis / Marcumarausweis, Blutgruppenausweis, Impfausweis, Herzschrittmacherausweis, Diabetikerausweis oder Allergieausweis
  • gegebenenfalls Patientenverfügung
  • gegebenenfalls Bestellungsurkunde/Vormundschaftsurkunde
  • Adressen und Telefonnummern Ihrer nächsten Angehörigen

 

Für die Aufnahme:

  • die Versichertenkarte der Krankenkasse
  • ggf. Klinikcard Ihrer Privatversicherung
  • Operations- und Narkoseeinwilligung
  • eine Über- oder Einweisung Ihres Haus- oder Facharztes
  • ggf. vorhandene Belege der Krankenkasse

Vor einer ambulanten Operation

Besorgungen:

  • Besorgung aller Hilfsmittel (Krücken, Entlastungsschuh, Zehenschiene) bzw. informieren, ob Sie diese vor Ort bekommen / Meist werden diese rezeptiert, so dass man sich diese vorher besorgt
  • Besorgung aller Medikamente (Schmerzmittel, Thrombosespritzen etc.) bzw. nachfragen, ob Sie diese vor Ort mitbekommen / Meist werden diese rezeptiert, so dass man sich diese vorher besorgt
  • Besorgung des notwendigen Verbandmaterials (Verbandmull, Kompressen, Pflaster, wasserdichtes Pflaster zum Duschen) bzw. abklären, ob Sie das vor Ort mitbekommen
  • Besorgung von Kühlmöglichkeiten (Eisbeutel, Kühlakkus, Kühlkompressen etc.)

 

Organisation:

  • Organisation von Zeitvertreib zu Hause nach der Operation (Fernseher, Bücher etc.)
  • Notfallnummern (u.a. vom Operateur, Anästhesist) am Bett notiert, falls Komplikationen (u.a. Blutungen, starke Schmerzen) auftreten
  • Hilfe für zu Hause / erste Nacht nach der Operation nicht alleine sein
  • Haushaltsdinge bereits vor der Operation erledigen (Einkauf etc.)
  • Falls Kinder vorhanden: Wer kümmert sich um die Kinder?
  • Organisation eines Fahrers (bzw. einer Begleitperson) für Hin- und Rückfahrt zum bzw. vom Krankenhaus/OP-Zentrum
  • Rechtzeitig losfahren und die Nummer der Klinik ins Handy speichern, falls Sie später eintreffen (OP-Pläne sind straff organisiert)

 

Fragen vor der Entlassung:

  • Medikamente, Schmerzmittel (Wann und wie in welcher Menge einnehmen?)
  • Belastung (Ab wann darf wieder belastet werden?)
  • Gehhilfe, Entlastungsschuh (Wie lange benutzen?)
  • Verband wechseln (Wie oft? Wie geht das? Anleitung?)
  • Falls Nachbehandlung durch einen anderen Arzt (Überweisung geben lassen)
  • Rehabilitation, Physiotherapie (Was muss gemacht werden: Krankengymnastik, Lymphdrainage o.ä.?)
  • Fäden, eingebrachtes Metall usw. (Wann werden die Fäden gezogen oder das Metall entnommen?)

 

Nach der Entlassung:

  • Krankmeldung/Krankschreibung an den Arbeitgeber oder die Schule schicken
  • Pflege exakt nach ärztlicher Anordnung durchführen (Kühlung, Thrombosespritzen etc.)
  • Ausruhen und Erholen

Zur ambulanten Operation mitbringen

Persönliche Dinge:

  • Medikamente
  • Personalausweis
  • Brille (falls Kontaktlinsenträger), Brillenetui
  • bequeme und leichte Kleidung
  • ggf. Nachtwäsche, Toilettenbeutel, Bademantel, Hausschuhe
  • für den Zeitvertreib etwas zum Lesen, zum Schreiben etc.
  • Vorhandene Hilfsmittel wie bspw. Rollator, Verbandsschuhe, Gehstützen, Hörgerät, cPAP-Geräte
  • Etwas Bargeld
  • Persönliche Telefonnummern, Telefonnummer und Anschrift Krankenkasse
  • Für Prothesenträger: Prothesenschale und Pflegemittel

 

Dinge, die Sie nicht brauchen:

  • Wertgegenstände, insbesondere Kreditkarten, Geld in höheren Summen, wertvoller Schmuck etc. (bei Verlusten haftet das jeweilige Krankenhaus / OP-Zentrum nicht)
  • Haustiere

Weitere Tipps und Hinweise

Tipp 1: Ist bei Ihnen ein ambulanter Eingriff geplant, muss dieser von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für die ambulante Durchführung auch zugelassen sein. Für jede Fachrichtung gibt es eine entsprechende Liste mit den zugelassenen Operationen.

Tipp 2: Achten Sie bei der Entscheidung für eine Klinik / ein OP-Zentrum etc. darauf, dass die Entfernung zwischen Wohnort und Operationsort kurz ist. Bei Komplikationen nach der Operation können Sie so schnell wieder in der Klinik sein.

Tipp 3: Bitte vereinbaren Sie mit Ihrem Hausarzt, ca. 7-10 Tage vor der ambulanten Operation, einen Termin für die anstehenden Voruntersuchungen. Meist liegen die Ergebnisse zwei Tage später vor und können abgeholt werden.

Tipp 4: Für die Gespräche mit Hausarzt, Narkosearzt und operierendem Facharzt stellen Sie sich bitte eine Liste mit Fragen zusammen, die Sie klären wollen. Mit einer guten Vorbereitung werden alle Fragen besprochen und Sie haben ein gutes Gefühl.

Tipp 5: Stellen Sie sich eine Liste zusammen, auf der Sie alle Medikamente festhalten, die Sie immer oder gelegentlich einnehmen. Auch halten Sie auf der Liste bitte alle bisherigen Erkrankungen oder chronischen Erkrankungen, Allergien, bisher durchgeführten Operationen und Unfälle fest. Diese Informationen sind wichtig für den operierenden Facharzt. Auch kann er nochmal gegenprüfen, inwiefern (in Absprache mit Ihrem Hausarzt) Medikamente vor der Operation abgesetzt werden müssen.

Tipp 6: Wenn Sie vor der Operation mit Ihrer Krankenkasse Kontakt aufnehmen, kann diese Ihnen eine Kostenübernahmeerklärung ausstellen, so dass das Krankenhaus die Kosten direkt mit Ihrer privaten Krankenversicherung abrechnet.

Tipp 7: Sind Sie zum Zeitpunkt der ambulanten Operation infektfrei? Falls nicht, sprechen Sie bitte bereits vor der Anreise mit der entsprechenden Klinik / dem OP-Zentrum.

Tipp 8: Bei Nichtbeachtung bzgl. Essen und Trinken muss der Facharzt darüber informiert werden, eventuell muss dann der Eingriff verschoben werden.

Tipp 9: Es ist nicht gestattet, ein Kraftfahrzeug in den ersten 24 Stunden nach der Operation zu führen. Daher sollten Sie vorab eine Begleitperson organisieren, die Sie entweder direkt abholt oder begleitet, falls Sie mit Bus/Bahn nach Hause fahren wollen. Grund dafür sind die Medikamente und Betäubungsmittel, die nach der Operation vorübergehend Ihre Reaktionsfähigkeit beeinflussen können.

Tipp 10: Bei minderjährigen Patienten ist bei einer ambulanten Operation immer die Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten erforderlich. Bei Kleinkindern nehmen Sie ruhig den Lieblingsteddy o.ä. mit.

Tipp 11: Beim Empfang erhalten Sie, falls von Ihnen benötigt, eine Bescheinigung über den ambulanten Aufenthalt (z.B. für Arbeitgeber, Krankenversicherung u.a.).

Tipp 12: Bei einer ambulanten Entbindung denken Sie bitte an eine entsprechende Autositzschale mit Neugeborenen-Einlage für das Köpfchen und an warme Erstlingskleidung mit Mützchen etc. für die Fahrt nach Hause.

jump to top