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2020-11-29T18:38:25+01:00

Lactase, umgangssprachlich auch Laktase geschrieben, ist ein
Enzym, das sich im Dünndarm aller Säugetiere befindet. Hier spaltet es
Milchzucker (Laktose) in seine einzelnen Bestandteile Galactose sowie Glucose
auf. Erst durch diesen Vorgang wird der Milchzucker für den Körper verwertbar.
Eine besondere Bedeutung kommt dem Enzym heute bei der Laktose-Intoleranz zu:
Hier sind keine oder zu wenige Lactase-Enzyme im Dünndarm vorhanden, so dass
der Milchzucker nicht verdaut werden kann. Hierdurch kommt es zu den typischen
Beschwerden.

Lactase: Ursprünglich nur für Babys und Kinder nötig

In der Diskussion um die Laktose-Intoleranz sind viele
Halbwahrheiten und Unwissenheit im Umlauf. Richtig ist, dass Menschen mit
Laktoseintoleranz nicht über ausreichend Enzyme zur Spaltung des Milchzuckers
im Dünndarm verfügen. Entsprechend können sie insbesondere Milch und
Milchprodukte, auch zum Beispiel verarbeitete Lebensmittel wie
Vollmilchschokolade, nicht optimal verdauen. Hierdurch kommt es zu
verschiedenen Beschwerdebildern, die von leichtem Unwohlsein bis hin zu starken
Schmerzen, Durchfall, Blähungen und ähnlichem führen können.

Nicht richtig ist hingegen, dass es sich hierbei um eine
Ausnahme handelt. Im Gegenteil: Weltweit betrachtet gibt es etliche erwachsene Bevölkerungsgruppen,
die Milchzucker überhaupt nicht verdauen kann – oder zumindest Regionen, in
denen breite Bevölkerungsgruppen dies nicht können. Auffällig ist, dass in
diesen Regionen beispielsweise in Asien traditionell auch keine oder kaum
Kuhmilch verzehrt wird. Biologisch betrachtet stellen jene Menschen, die auch
als Erwachsene noch ausreichend Lactase im Dünndarm aufweisen, also sogar eine
Ausnahme dar. Bei Tierbabys ist das Enzym ursprünglich zur Verarbeitung der
Muttermilch gedacht, sowohl beim Menschen als auch beispielsweise bei Kälbchen,
die die Milch ihrer Kuhmutter trinken. Werden sie größer und sind nicht mehr
auf jene Milch angewiesen, so verringert sich auch der Anteil an Lactase in ihrem
Organismus.

Dass im Laufe der Evolution mehr und mehr Menschen auch als
Erwachsene über viele Lactase-Enzyme verfügen, wird von Wissenschaftlern also
eindeutig mit der Kultur des Milchtrinkens in Verbindung gebracht. In
Kulturkreisen, in denen (Kuh-) Milch sowie hieraus hergestellte Produkte
traditionell keine Rolle spielten, ist entsprechend der Großteil der
Bevölkerung laktose-intolerant.

Umgang mit Laktose-Intoleranz und Lactase als
Nahrungsergänzungsmittel

Nicht selten entwickelt sich die Laktose-Intoleranz erst im
Laufe der Jahre, also zum Beispiel bei jungen Erwachsenen. Gerade in Regionen,
in denen Milch und – Produkte eine wichtige Rolle in der täglichen Ernährung
spielen, fällt der plötzliche Verzicht auf diese vielen Menschen schwer. Inzwischen
gibt es das Enzym Lactase auch als Nahrungsergänzungsmittel, welches vor dem
Verzehr von Milchprodukten eingenommen werden kann. Hierdurch lassen sich die
typischen Symptome zumindest deutlich minimieren. Um eine grundlegende
Ernährungsumstellung kommt man aber nicht immer herum. In diesen Fällen sollten
sich Betroffene ausführlich beraten lassen, zum Beispiel beim
Ernährungsmediziner oder in Selbsthilfegruppen. Sie kennen zahlreiche
Lebensmittel, die als Alternative zu Milchprodukten dienen können oder die trotzdem verträglich sind – von
Rohmilchprodukten über vegane Alternativen mit Soja- oder Reismilch bis hin zu
Milchsorten von Tieren, die ärmer an Laktose sind.

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