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2020-11-29T19:22:23+01:00

Der Name Telemedizin klingt für die einen nach Science
Fiction, für die anderen schon wieder altmodisch. Tatsächlich basiert die
Telemedizin auf einer schon älteren Idee, die allerdings bis heute nicht
großflächig angewandt wird. In Zeiten digitaler Vernetzung werden ihre
Möglichkeiten und Chancen aber wieder vermehrt diskutiert.

Ganz allgemein meint man hiermit die ärztliche bzw.
therapeutische Behandlung und Diagnose über weite Entfernungen oder auch
verschiedene Zeitzonen hinweg. Der Begriff umfasst sowohl die Kommunikation
zwischen Arzt und Patient als auch jene zwischen Ärzten untereinander,
beispielsweise ein telemedizinisch assistierter Eingriff. Früher war hierdurch
bereits eine telefonische Verbindung gemeint, heute denkt man eher zum Beispiel
an Videotelefonie. Grundsätzlich kann jedes Kommunikationsmittel zur
Telemedizin verwendet werden.

Welche Chancen bietet die Telemedizin heute?

Praxiserprobt wurde die Telemedizin zum Beispiel bereits
dort, wo große Distanzen zu überwinden wären: In der Antarktis zum Beispiel, wo
Fachärzte oder Chirurgen nicht ohne weiteres zur Versorgung von Patienten
bereitstehen. Insofern bietet die Telemedizin die Möglichkeit, eine
medizinische Versorgung auch dort bereitzustellen, wo keine Ärzte vor Ort sind
– also zum Beispiel in dünn besiedelten Gebieten.

Ähnliches gilt für Therapeuten: Gerade auf dem Gebiet der
Psychotherapie werden bereits heute entsprechende Angebote erprobt und
angewandt. Dabei können Klient und Therapeut zum Beispiel via Videotelefonie
oder auch Chat miteinander kommunizieren. Auch in der Rehabilitation kann die
Telemedizin unterstützend wirken: Statt weniger Termine mit dem Arzt, die weit
im Voraus geplant werden müssen, können Patienten hier öfter, engmaschiger und
gleichzeitig unkomplizierter versorgt werden. In gewisser Weise können auch
medizinische Apps, die eine direkte Kommunikation ermöglichen, der Telemedizin
zugerechnet werden.

Von Arzt zu Arzt wiederum besteht die Möglichkeit, mittels
Telemedizin komplizierte operative Eingriffe durch einen entsprechend
spezialisierten Facharzt vornehmen oder assistieren zu lassen, der Tausende
Kilometer weit entfernt arbeiten kann. So berichtete das Ärzteblatt 2001 von
der „ersten transatlantischen Operation“.

Herausforderungen und Kritik (an) der Telemedizin

Die flächendeckende Digitalisierung einer breiten
Bevölkerung auf der einen, der nach wie vor große Optimierungsbedarf in der
medizinischen Versorgung andererseits haben der Idee der Telemedizin weiteren
Aufwind verschafft. Trotzdem gibt es zahlreiche Hürden und Probleme, die bis
heute nicht eindeutig geklärt sind. Neben der grundsätzlichen Frage, ob die
telemedizinische Betreuung gleichwertig zum persönlichen Kontakt ist, stehen weitere
zur Debatte.

Die juristischen Rahmenbedingungen für telemedizinische
Behandlungen und Untersuchungen beispielsweise sind noch lange nicht genau
abgesteckt. Insbesondere der Datenschutz der Patienten, aber auch
Haftungsfragen bleiben komplexe Herausforderungen. Technische Herausforderungen
liegen in möglichen Unterbrechungen zum Beispiel von Videotelefonie durch
Übertragungsfehler oder Abbruch der Verbindungen. Hinzu kommen ethische
Fragestellungen wie die, ob das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis durch
telemedizinische Möglichkeiten sukzessive ausgehöhlt wird – und ob dies gar aus
Kostengründen geschieht, oder tatsächlich einen Mehrwert auch für die Patienten
bietet.

Generell gehen Experten davon aus, dass die Telemedizin die
aktuellen Behandlungsmöglichkeiten und –Verfahren nicht ersetzen, sondern
sinnvoll ergänzen wird.

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