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2020-11-29T18:59:46+01:00

Die Parodontitis, umgangssprachlich auch Parodontose
genannt, bezeichnet eine Entzündung des Zahnfleischs. Man unterscheidet die
akute und die chronische Parodontitis. Unbehandelt oder schlecht therapiert kann
diese bakteriell bedingte Infektion zu einem zunehmenden und oft irreversiblen
(nicht mehr rückgängig machbaren) Zahnfleischschwund führen. Dieser hat
wiederum gravierende Folgen für den Stützapparat der Zähne – bei starker
Parodontitis können diese zunehmend locker werden. Eine Behandlung ist also aus
mehreren Gründen sehr sinnvoll.

Ursachen und Symptome: Wie sich die Zahnfleischerkrankung
bemerkbar macht

Ausgelöst wird die Parodontitis durch Bakterien. Sind diese
in entsprechend hoher Zahl vorhanden, dann kann es auch zu den typischen,
entzündlichen Symptomen kommen, die unten beschrieben stehen. Die genaue
Ursache liegt dann vermutlich in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Die individuelle Veranlagung spielt hierbei eine Rolle, ebenso können
Vorerkrankungen der Gefäße wie beispielsweise Diabetes die Entzündung
begünstigen. Gerade vorbelastete Personen sollten ihre Zahnhygiene besonders
sorgfältig durchführen und hier täglich auch die Zwischenräume mit einbeziehen
(siehe auch unten: Vorbeugung).

Eine Parodontitis macht sich meist durch mehrere Beschwerden
bemerkbar. Dabei unterscheidet man akute und chronische Verläufe: Infektiöses
Zahnfleisch wirkt anfangs zum Beispiel dunkler als gewöhnlich. Dies hängt damit
zusammen, dass der Körper zur Abwehr der Infektion zunächst die Durchblutung in
diesem Bereich ankurbelt. Hierdurch wiederum kommt es schneller zu Blutungen,
beispielsweise bei der Reinigung mit Zahnseide oder Zwischenzahnraumbürste.
Genau falsch wäre allerdings, jetzt ganz auf diese Form der Zahnhygiene zu
verzichten – schon bei häufigem Zahnfleischbluten ist daher der Gang zum
Zahnarzt ratsam. Typisch ist die Bildung sogenannter Zahnfleischtaschen, also
locker sitzenden Zahnfleischs, das sich wie eine Tasche um den Zahn legt. Auch
Schmerzen, besondere Empfindlichkeit des Zahnfleischs oder Mundgeruch können
auf einen bakteriellen Befall und eine hiermit verbundene Infektion hindeuten.
Im akuten oder bereits fortgeschrittenen Stadium sind der Rückgang des
Zahnfleischs, die Lockerung der Zähne und starke Entzündungszeichen wie Eiterbildung
sichtbar.

Möglichkeiten, die Zahnfleischerkrankung sicher
festzustellen, bietet neben der gewöhnlichen Untersuchung sowohl die Messung
des entzündeten Gewebes durch Parodontalsonden als auch zum Beispiel ein
Röntgenbild. Durch dieses können infektiöse Herde ebenso erkannt werden wie
mögliche bereits erfolgte Schädigungen der Zahnhalteapparatur. Nach einer
festgestellten Parodontitis sollte dessen Zustand regelmäßig überprüft werden,
um sowohl den Therapieerfolg als auch mögliche Folgeschäden zu notieren.

Vorbeugung und Therapie der Parodontitis

Präventiv gilt vor allem die regelmäßige und sorgfältige
Zahnhygiene als sehr erfolgsversprechend. Dabei sollten insbesondere auch die
Zahnzwischenräume beispielsweise mit Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen gereinigt
werden. Eine neue Studie hat ergeben, dass eine umfassende und individuelle
Schulung zur Mundhygiene zu den wenigen, sicher wirksamen Maßnahmen gegen die
Parodontitis zählt – allerdings muss diese eben auch individuell angepasst
werden, eine Standardinformation reicht nicht aus. Zu den neueren
Präventionsmaßnahmen gehört die Einnahme spezieller BLIS-Medikamente, die gegen
Bakterien im Mundraum wirken. Dieses Programm wird von immer mehr Experten für
betroffene Patienten empfohlen.

Viele Zahnärzte raten ihren Patienten im Rahmen der
Prophylaxe auch zur Professionellen Zahnreinigung (PZR). Diese stellt oftmals
keine Kassenleistung dar oder wird von den Versicherern nur zum Teil
übernommen. Der Grund: Die Studienlage sei uneinheitlich, viele Kassen berufen
sich darauf, dass ein langfristiger Nutzen nicht belegt sei. Andere halten
dagegen, dass die PZR eine wichtige Säule in der Prävention von Parodontitis
darstellt.

Fakt ist: Die PZR steht auch am Anfang jeder manuellen
Parodontitis-Therapie. Dabei wird der gesamte Mundraum sorgfältig gereinigt.
Beläge und Zahnstein werden entfernt, im Anschluss können dann auch die
sogenannten Zahnfleischtaschen gründlich gereinigt werden. Moderne Therapien
machen sich dabei zum Beispiel auch moderne Laser-Verfahren zu Nutze. Eine
medikamentöse, antibakterielle Behandlung durch speziell abgestimmte
Antibiotika oder die oben genannten BLIS-Medikamente kann im Anschluss
verordnet werden.

Die Folgen einer bereits fortgeschrittenen Parodontitis
müssen dann gegebenenfalls nochmals einzeln behandelt werden: Bei Verlust der
Stabilität oder bei Knochenschwund kann zum Beispiel ein chirurgischer
Knochenaufbau nötig werden.

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