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2020-11-27T14:58:56+01:00

Die Leistenbruch Operation: Das prinzipielle Vorgehen aller Operationsverfahren ist das Freilegen von Bruchsack und Bruchlücke, das Zurücklegen des Bruchsackinhaltes in die Bauchhöhle und das möglichst dauerhafte Verschließen der Bruchlücke unter Schonung anderer Strukturen und Organe (z.B. Samenstrang, Nerven, Gefäße, Blase).

Ziel der Leistenbruch Operation sind die Wiederherstellung und Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals und die dauerhafte Verhinderung eines erneuten Bruches. Bei den offenen Operationstechniken muß ein Hautschnitt von 6-10 cm im Leistenbereich gesetzt werden und die Bauchwand mit der Muskulatur durchtrennt werden. Ein spannungsfreier Verschluß der Bruchpforte ist hierbei nicht möglich, da sowohl bei den reinen Nahttechniken (z.B. Technik nach Shouldice) und offenen Netzverfahren (Lichtenstein) zunächst eine Raffung der Leistenkanalhinterwand erfolgt – und dann erst beim Verfahren nach Lichtenstein das Netz zur Verstärkung eingebracht und mit Nähten fixiert wird.

Die endoskopischen Operationsverfahren nehmen jährlich zu und werden als „hohe Schule der Leistenhernienversorgung“ bezeichnet. Hierbei ist jedoch große Erfahrung und eine hohe technische OP-Ausstattung erforderlich. Bei der TAPP – Technik (transabdominale präperitoneale Netzimplantation) werden am Bauchnabel und im Mittelbauch lediglich 3 sehr kleine Hautschnitte (5 mm und 10 mm) gesetzt, um die Arbeitshülsen für die endoskopischen Geräte einzuführen. Die Kamera wird dabei durch den Schnitt am Bauchnabel platziert. Der Bauchraum wird mit Gas (CO²) gefüllt, wodurch sich die Bauchdecke anhebt und der nötige Raum für die Leistenbruch Operation entsteht. Das Gas wird nach der Leistenbruch Operation wieder abgelassen, ein Teil wird aber auch vom Darm resorbiert. Durch die Dehnung der Bauchdecke kommt es manchmal postoperativ zu einem Gefühl von Muskelkater oder
Schulterschmerzen, welches aber nach wenigen Tagen wieder vergeht.

Vom Bauchraum aus wird im Leistenbereich das Bauchfell (Peritoneum-Auskleidung des gesamten Bauchraumes) eingeschnitten und der dahinter liegende Leistenkanal präpariert. Der Bruchsack wird mit seinem Inhalt in die Bauchhöhle zurückverlagert. Dann wird das künstliche Netz vom Bauchraum aus so über die Bruchpforte gelegt, dass auch alle anderen möglichen Bruchpforten (Schenkelbruch, Leistenbruch) weiträumig und spannungsfrei abgedeckt werden. Dieses Vorgehen bietet den maximalen Schutz vor einem erneuten Bruch, ist also eine Rezidivprophylaxe. Eine Fixierung des Netzes, z.B. mit Metallclips, ist bei entsprechender Präparation und Größe des Netzes nicht notwendig. Somit können Nerven geschont und ein chronisches Schmerzsyndrom der Leiste verhindert werden. Das Bauchfell wird im Leistenbereich vom Bauchraum aus über dem Netz wieder vernäht.

Nur bei den endoskopischen Techniken liegt das Netz an der eigentlichen Schwachstelle der Leiste, nämlich direkt an der Leistenhinterwand.

Nach 14 Tagen haben sich körpereigene Bindegewebsfasern durch die Netzmaschen gewoben und bilden somit eine flach gerichtete Narbe auf dem Netz, welches dadurch seine maximale Stabilität erhält – Vollbelastung ist somit wieder möglich.

Bei der TEP-Technik (Total extraperitoneal Netzimplantation) wird ebenfalls über minimal-invasive Zugänge ein Netz auf die Bruchpforten platziert, aber man geht dabei nicht in die Bauchhöhle. Hierbei wird das Netz zwischen den Bauchdeckenschichten – zwischen Muskulatur und Bauchfell – eingebracht. Für Patienten mit Voroperationen im Unterbauch (offene Blinddarm-OP oder Kaiserschnitt, Prostata-OP) ist dieses OP-Verfahren nicht geeignet.

Leistenbrüche beidseits können bei den endoskopischen Verfahren sehr elegant in einer Leistenbruch Operation ohne zusätzliche Hautschnitte durchgeführt werden.

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