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2020-11-27T13:43:40+01:00

Vor der Operation – Der richtige Arzt und Vorbereitungen

Das Arzt-Patienten-Gespräch und die Wahl des richtigen
Operateurs:
Die Nephrektomie und
insbesondere die nierenerhaltenden Operationen sind anspruchsvolle Operationen,
die nicht von jedem Operateur gleichgut durchgeführt werden können. Neben einem
ausführlichen Aufklärungsgespräch über die geplante Operation, sollte der
Operateur erklären können, warum er die gewählte Operationsmethode vorschlägt
und warum keine nierenerhaltende Operation möglich ist, wenn er diese nicht
anbietet, wobei die Lage eines Tumors dabei keinen Ausschlag geben sollte.
Zudem sind entscheidende Qualitätsmerkmale der durchschnittliche Blutverlust,
die durchschnittliche Operationsdauer und die Rate an primären kompletten
Resektionen ([gt]98%). Zudem sollte das Zentrum des Operateurs mindestens 80
Eingriffe pro Jahr ausführen. Der Operateur sollte mindestens 100 derartige
Operationen selbst durchgeführt haben.

Was muss der
Patient über den behandelnden Arzt also unbedingt wissen? Hier einige hilfreiche Tipps: Operationen an der
Niere können extrem schwierig sein. Insbesondere bei weit fortgeschrittenen
Stadien sowie Tumoren, die im Zentrum der Niere liegen und eine Nierenteilresektion
erschweren, ist das Ergebnis sehr von der Erfahrung des Operateurs abhängig.
Die Überlebensrate steigt mit der Erfahrung des Operateurs sowie der Anzahl der
durchgeführten Eingriffe am jeweiligen Zentrum. Der Patient sollte sich also vom Operateur die Anzahl der jährlich durchgeführten (mindestens 50-150 pro
Jahr) und der bislang in seinem Berufsleben durchgeführten Eingriffe an der
Niere nennen lassen. Der Patient sollte insbesondere auch die Komplikationsrate erfragen. Sollte bei
einem Tumor kleiner 7 cm kein nierenerhaltendes Verfahren angeboten werden,
rentiert es sich, an einem operativen Zentrum eine zweite Meinung einzuholen.
Zudem sollte bei einer Nierenteilresektion vom Operateur die Klemmzeit
abgeschätzt werden können. Sollte diese über 25 Minuten liegen, so ist in
Erwägung zu ziehen, ob sich der Patient nicht einen anderen Operateur sucht. Dies gilt
insbesondere auch bei Tumoren, die in die Hohlvene oder Nierenvene eingebrochen
sind. Hier ist die Versorgung an einem interdisziplinären Zentrum mit Zugriff
auf Gefäßchirurgie und gegebenenfalls Herzchirurgie notwendig. Aber auch bei
partiellen Nephrektomien ist die Erfahrung eines Zentrums, insbesondere bei in
der Mitte der Niere gelegenen Tumoren, hilfreich.

Tests und Voruntersuchungen / Informationen für den behandelnden Arzt: Für Nierentumore gibt es
keine speziellen Blut- oder Urintests. Die Durchführung der Computertomographie
(CT) oder einer Kernspintomographie (MRT) sollte in mehreren Phasen erfolgen,
so dass eine Aussage insbesondere in Bezug auf die Lageanzahl der venösen und
arteriellen Gefäße möglich ist und ein
Tumoreinbruch in das Gefäßsystem sicher auszuschließen ist. Zudem sollte die
Kontrastmittelaufnahme des Tumors im Vergleich zur ohne Kontrastmittel
durchgeführten Untersuchung beschrieben sein. Die Bilder sollten unbedingt von
einem erfahrenen Operateur vor Beginn der Operation gesehen und mit Ihnen
besprochen worden sein. Am Aufnahmetag vor der Operation wird der Operateur
nochmals die wichtigsten Blutwerte, ein EKG und gegebenenfalls eine
Röntgenuntersuchung des Brustkorbes veranlassen. Bei weiter fortgeschrittenen
Tumoren sollte auch eine Computertomographie des Brustkorbes durchgeführt
werden und gegebenenfalls der Schädel mit abgeklärt werden.

Weiterhin wird vor der
Operation noch einmal eine ausführliche Operationsaufklärung erfolgen.

Die
Vorerkrankungen eines Patienten, sowie ggf. Voroperationen müssen dem
behandelnden Arzt bekannt sein. Zudem sollte er wissen, ob der Patient
Medikament einnimmt.

Eine Eigenblutspende ist in
der Regel bei Nierentumoren nicht sinnvoll, da die Dringlichkeit der Operation
vor der zeitlichen Verzögerung durch die Blutspende zu sehen ist. In guten
chirurgischen Zentren liegt die Transfusionsrate so niedrig, dass eine Eigenblutspende
ebenfalls nicht sinnvoll erscheint, zudem ist in der Regel, wenn es zu heftigen
Blutungen kommt, die Menge des durch Eigenblut zu ersetzenden Blutvolumens
meist zu niedrig, so dass Fremdblut zugeführt werden muss.

Einzureichende Unterlagen: Vor einer Operation müssen die Anamnese, die Bilder
einer Schnittbildgebung (CT/MRT), die einen Nierentumor vermuten oder beweisen
lassen, vorliegen. Ebenso müssen die OP-Einwilligung und die
Narkose-Einwilligung vorliegen. Sollte der Patient Allergien haben, so sollten
diese bekannt gegeben worden sein und in der Akte als Ausweis bzw. in der
Patientenanmnese (Vorgeschichte) festgehalten sein.

Einnahme von Medikamenten: Üblicherweise
werden fast alle Medikamente die der Patient einnimmt, auch weiterhin
eingenommen. Ausnahmen bilden blutverdünnende Medikamente und einige Diabetesmedikamente.
Die meisten müssen nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt abgesetzt und
durch andere ersetzt werden. Dabei ist die Operation auch unter
Aspirin-100-Einnahme möglich, in Einzelfällen auch unter Plavix-Einnahme. Hier
ist es aber notwendig, unbedingt zuvor mit dem Operateur die Situation genau zu
erörtern und das weitere Vorgehen in Bezug auf die blutverdünnenden Medikamente
abzustimmen.

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