Schönheitsoperationen: Äußerliche Korrekturen für Innere Zufriedenheit

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Schönheitsoperationen etwas waren, worüber man hinter vorgehaltener Hand sprach und dann auch eher mit Stars und Sternchen in Verbindung brachte. Man assoziierte eine Schönheitsoperation automatisch mit Menschen, die ewig jung bleiben wollen – oder es aus beruflichen Gründen so lange wie möglich bleiben müssen. Glücklicherweise hat das Bild sich gewandelt. Die Schönheitschirurgie hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen großen Zulauf erfahren. Das liegt sicher nicht nur daran, dass sich die Operationstechniken verändert haben, einfacher wurden und dadurch auch bezahlbar. Vielmehr sind den Menschen genaue Informationen zu Möglichkeiten und Techniken kosmetischer Eingriffe durch das Internet frei zugänglich. Dadurch sind viele Vorurteile und Ängste vor operativen Eingriffen verschwunden und haben Platz geschaffen für Offenheit und Vertrauen. Die Menschen in unserer heutigen Gesellschaft leben bewusster, ernähren sich gesünder, achten auf ihre Gesundheit und legen großen Wert auf innere Zufriedenheit.

Wann kosmetische Eingriffe sinnvoll sind

Die häufigsten Eingriffe in der modernen Schönheitschirurgie sind Fettabsaugungen, Lid- und Faltenkorrekturen, Brust- sowie Nasenkorrekturen. Weit über die Hälfte der Patienten sind Frauen, aber der Anteil der Männer, die sich einem kosmetischen Eingriff unterziehen, steigt stetig.

Ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem Chirurgen ist unverzichtbar. Hier muss der Chirurg auch in der Lage sein, eine Grenze zu ziehen zwischen einem Eingriff, der das Leben eines Patienten zufriedener und besser macht und einem unnötigen Eingriff, der aus ethischen Gründen nicht vertretbar ist.

Lidkorrekturen verhelfen dem Patienten zu einem jüngeren, frischeren Aussehen. Mit schlaffen Augenlidern wirken Menschen müde und dadurch älter als sie häufig sind. Im Berufsleben kann das tatsächlich hinderlich sein, aber grundsätzlich stören schlaffe Lider in höchstem Maße die Betroffenen selbst. Eine Brustvergrößerung kann ebenfalls sinnvoll sein, wenn eine Patientin unglücklich mit ihren kleinen Brüsten ist. Auch sollte man hierbei bedenken, dass viele Damen sich einer Brustkorrektur nach einer oder mehreren Schwangerschaften unterziehen, weil die Brüste sich verändert haben und die Patientinnen sich nach einer Korrektur wieder attraktiver fühlen. Eine Fettabsaugung ist dann sinnvoll, wenn ein Patient oder eine Patientin grundsätzlich auf Ernährung achtet und bereits mit Sport versucht hat, den Körper in Form zu bringen. Das gelingt leider nicht immer und manchmal, insbesondere nach einer starken Gewichtsabnahme, sind auch Hautkorrekturen nötig, um dem Patienten wieder zu absolutem Wohlbefinden zu verhelfen. Auch Nasenkorrekturen sind sicher sinnvoll, wenn Patienten ihre Nase als sehr störend empfinden. Meist werden Nasen chirurgisch verkleinert, oder es werden unschöne Höcker entfernt, die in einem sonst sehr schönen Gesicht tatsächlich die Blicke der Mitmenschen auf sich ziehen können – und damit problematisch von den Patienten empfunden werden.

Schönheitsoperationen sind immer dann sinnvoll, wenn es sich um überschaubare Korrekturen oder Veränderungen handelt in Bereichen, die von den Patientinnen und Patienten tatsächlich als störend empfunden werden. Eine zu große Nase kann eine sonst hübsche Frau tatsächlich unglücklich werden lassen. Gleiches gilt für die weibliche Brust, die nun einmal unweigerlich ein Attraktivitätsmerkmal ist – wird diese als unschön empfunden, als zu klein, zu groß, zu schlaff, so ist das nicht selten der Anlass für weitreichende Problematiken im Leben der betroffenen Frau.

Die Grenzen sind fließend

Die Grenze bei Schönheitsoperationen zwischen einer Verbesserung des Körper- und Lebensgefühls und nicht notwendigen, totalen Veränderungen ist natürlich fließend. Besonders in diesen ethischen Fragen ist das ausführliche Beratungsgespräch zwischen dem Schönheitschirurgen und seinem Patienten oder seiner Patientin unverzichtbar. In diesem Beratungsgespräch muss geklärt werden, ob die gewünschte Schönheitsoperation tatsächlich dem Wunsch der Frau entspricht – oder ob sie die Operation nur durchführen lassen will, weil ihr Partner sich beispielsweise eine Frau mit größeren oder kleineren Brüsten wünscht.

Auch totale Veränderungen würde ein verantwortungsbewusster Schönheitschirurg ablehnen, sofern die Wünsche der Patienten einfach nur auf gängigen Schönheitsidealen basieren. Beispiele wie Schauspieler Mickey Rourke (9 ½ Wochen), Kultstar Michael Jackson oder 80ger Jahre Star Pete Burns, aber auch Showgröße Liza Minelli, die sich unzählige Male unter das Messer legten, gehen regelmäßig durch die Regenbogenpresse und diese Stars befinden sich in illustrer Gesellschaft: Viele Menschen werden regelrecht süchtig nach Schönheitsoperationen und hier sollten ethische Fragen einen jeden Chirurgen zögern lassen.
Es spricht auch aus ethischer Sicht nichts dagegen, nach einer Brustkorrektur noch die Lider korrigieren zu lassen und irgendwann auch noch eine Fettabsaugung durchzuführen. Manche Operationen können sogar gleichzeitig durchgeführt werden, wenn die Patienten Wert auf biologisches Material legen. Dies ist insbesondere bei Faltenunterspritzungen in Verbindung mit einer Fettabsaugung inzwischen gang und gebe.

Grundsätzlich spricht niemals etwas dagegen, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. So ist es wohl verständlich, wenn eine Frau nach Brustkrebs und Totaloperation einen Brustaufbau wünscht, um sich wieder attraktiv zu fühlen. Ähnlich verhält es sich mit Hautstraffungen nach erheblicher Gewichtsreduktion. Gleiches gilt für Fehlbildungen aller Art, wie beispielsweise der Gaumenspalte, im Volksmund als „Hasenscharte“ bekannt, und ähnlichen Beeinträchtigungen, wie auch für plastische Chirurgie bei Entstellungen nach Unfällen.

Auch wenn durch moderne Operationstechniken und die Narkosemöglichkeiten auch kosmetische Eingriffe in der Regel unkompliziert verlaufen – es handelt sich aber immer noch um einen operativen Eingriff, dessen Notwendigkeit man stets mit dem nötigen Respekt hinterfragen sollte.

Psychologische Aspekte – Selbstwertgefühl und Schönheitsoperationen

Streng genommen sind auch Überkronungen an den vorderen Schneidezähnen und Zahnimplantate ein kosmetischer Eingriff. Mit diesem Beispiel lässt sich gut auf den Punkt bringen, wie kosmetische Eingriffe das Selbstwertgefühl – und damit die innere Zufriedenheit – nachhaltig verbessern können. Stellt man sich vor, wie man selbst sich ohne Schneidezähne oder mit unschönen Schneidezähnen fühlen würde, so weiß man natürlich, dass man es kaum wagen würde, den Mund zu öffnen. Mit schönen Schneidezähnen wagen Menschen es, zu lächeln, ja, laut zu lachen. Schönheitsoperationen haben die gleiche Wirkung. Ob es nun um eine Lidstraffung, ein Facelift oder eine Bauchdeckenstraffung geht, um Fettabsaugung, Faltenunterspritzung oder eine Nasenkorrektur: Wer unter einem körperlichen Makel leidet, fühlt sich verunsichert und wird allen Situationen aus dem Weg gehen, in dem der Makel aufgedeckt wird.

Wenn die eigene Brust als viel zu klein, zu groß oder zu unförmig empfunden wird, so spielt es für die betroffene Frau überhaupt keine Rolle, ob es noch Millionen anderer Frauen gibt, die unter dem gleichen oder einem ähnlichen Problem leiden. Das ist kein Trost. Die betroffene Frau fühlt sich verunsichert und leidet darunter. Depressionen und andere psychische Problematiken können entstehen und so entwickeln sich im Laufe der Zeit immer größere Beeinträchtigungen auch in Lebensbereichen, die man kaum mit dem eigentlichen Problem in Verbindung bringen würde: In der Beziehung, im Berufsleben und damit vielleicht auch in der Existenzsicherung. Gleiches gilt natürlich für alle Äußerlichkeiten, die von den betroffenen Patienten als Fehlbildung, Fehlentwicklung oder auch vorzeitige Alterserscheinung empfunden werden. Wer sich in seiner Haut nicht wohlfühlt, fühlt sich unweigerlich verunsichert und mit der Zeit kann das ernste Folgen für die Gesamtentwicklung eines Menschen in allen Lebensbereichen mit sich bringen.
Die Gesellschaft hat sich verändert und damit auch das Bewusstsein der Menschen. Frisch, gesund, jung, attraktiv – das sind alles keine Garanten für glückliche Beziehungen, beruflichen Erfolg und ein gutes Selbstwertgefühl. Andererseits kann niemand abstreiten, dass ein gesundes Selbstbewusstsein sich durchaus positiv auf sämtliche Lebensbereiche auswirkt.

Diese Tatsachen gelten sogar bei den Krankenkassen als unumstößlich. Wenn psychische Beeinträchtigungen vorliegen, werden zahlreiche Schönheitsoperationen sogar von den Krankenkassen übernommen. In diesem Fall liegt eine psychologische Indikation vor, welche ebenso ernst genommen werden muss wie eine medizinische Indikation.

Psychische Probleme können beispielsweise durch abstehende Ohren entstehen, durch Fehlbildungen von Nase und Mund, aber auch durch Hautüberschüsse nach hoher Gewichtsreduktion. Auch die weiblichen Brüste können Ursache für Depressionen und andere psychische Leiden werden: Durch Schwangerschaften können sich die Brüste immens verändern und daran schuld sein, wenn ehemals gesunde, selbstsichere Frauen ihren Körper nur noch verstecken und an nichts mehr teilnehmen, was sie dazu zwingen würde, sich zu entblößen.
Man rät den betroffenen Patientinnen in unserer Gesellschaft gerne zunächst dazu, eine Therapie zu machen, am Selbstbewusstsein zu arbeiten und ähnliches. All das kann Unmengen an Geldern verschlingen und ein Großteil der Patientinnen und Patienten hat hier bereits einen langen Weg hinter sich. In vielen Fällen wäre es tatsächlich klüger, den Makel operativ zu beseitigen und dem Betreffenden wieder zu einem gesunden Selbstbewusstsein zu verhelfen, bevor tatsächlich tief sitzende Problematiken entstehen, die einen häufig langen Leidensweg verursachen.
Bei den allermeisten Patientinnen zeigt sich der psychische Erfolg häufig schon kurz nach der durchgeführten Operation: Die Patientin fühlt sich wieder attraktiv, kleidet sich völlig anders, wirkt strahlender, frischer und hat eine positive, lebensfrohe Ausstrahlung.

Psychologie: Wo Schönheitsoperationen nichts ausrichten können

Es beginnt mit einer Brustvergrößerung, geht weiter mit einem Facelifting, dann kommt es zur Bauchdeckenstraffung und zur Fettabsaugung. Danach ist eine Nasenkorrektur fällig, die Lippen müssen aufgespritzt werden und die hübsch gestrafften Augen sollen doch noch mal eine ganz andere Form bekommen: Es gibt Patienten und Patientinnen, die so tiefsitzende, psychische Probleme haben, das eine Schönheitsoperation (oder gar mehrere) leider überhaupt nichts ausrichten kann. Kaum ist ein Makel beseitigt, wird ein neuer gefunden, der behoben werden muss. Fast immer handelt es sich um Makel, die niemand sonst zu sehen scheint außer dem Betroffenen.

Die Patienten sind in solchen Fällen oft mit so wenig Selbstbewusstsein ausgestattet, dass sie die vermeintlichen Gründe in ihrem Äußeren suchen, das zudem meist nicht einmal auffällig ist. Fast immer handelt es sich um Frauen, aber es gibt auch Männer, die von diesem Phänomen betroffen sind.

Verantwortungsbewusste Schönheitschirurgen bemerken solche Tragödien häufig schon im Beratungsgespräch und raten den Patienten in solchen Fällen tatsächlich zu einer Psychotherapie, statt zu einer Schönheitsoperation. Die Betroffenen fühlen sich in ihrer Haut nicht wohl und wünschen sich generell ein völlig anderes Aussehen – von Kopf bis Fuß. Hierbei handelt es sich um genau die Grenzfälle, die nicht selten auch durch die Presse gehen.

Sie sind allerdings klar abzugrenzen von Patientinnen und Patienten, bei welchen ganz klar medizinische und/oder psychologische Indikationen vorliegen.

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