Blutdruck Operationen – wirklich sinnvoll?

Definition

Bei einer Blutdruck Operation bekommt der Patient in die Nierenarterie ein Katheter gesetzt. Der Katheter wird über die Leistenarterie und die Bauchschlagader geführt. Mittels Radiofrequenz werden die Nervenfasern in der Nierenarterienwand verödet. Diese werden für Bluthochdruck maßgeblich verantwortlich gemacht. Durch diesen Eingriff lässt sich der Sympathikus in seiner Aktivität schwächen und damit kann der Blutdruck niedrig gehalten werden.

Hintergrundinformationen

Die Blutdruckwerte sind bei jedem zweiten Erwachsenen Bundesbürger deutlich zu hoch. Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht, Stress und ein Mangel an Bewegung. Schicksalsschläge, seelische Belastungen oder Burnout gelten als Auslöser für einen Anstieg des Blutdrucks. Daraufhin werden meist blutdrucksenkende Medikamente verschrieben. In Studien wurde jedoch bestätigt, dass die Blutdrucksenker etwa bei jedem achten Betroffenen keine Wirkung zeigen. Mediziner gehen davon aus, dass bei diesem Personenkreis eine krankhafte Erhöhung der Aktivität des Sympathikus vorliegt und sich daher der Blutdruck mit Hilfe von Medikamenten nicht regulieren lässt.

Notwendigkeit

Für die eben beschriebene Personengruppe macht dieser Eingriff durchaus Sinn. Die Nierennerven stehen in direktem Zusammenhang mit der Regulierung des Blutdruckes. Jedoch ist der Eingriff nicht für jeden unter Bluthochdruck leidenden Patienten eine Option. Eine Medikamenteneinnahme wird auch nach dem Eingriff weiterhin notwendig sein. Die Forschungen sind noch nicht abgeschlossen. Dabei gilt es zum Beispiel noch zu klären, wie sinnvoll der Eingriff bei Patienten mit  nur mäßig erhöhten Blutdruckwerten erscheint. Unklar ist auch, ob die Operation einen positiven Einfluss auf das Infarkt- und Schlaganfallrisiko nehmen kann.

Häufigkeit

Etwa bei 15 bis 20 Prozent der Blutdruckpatienten gelingt es nicht, die Werte niedrig zu halten. Medikamente, eine Änderung des Lebensstils und die Behandlung der Begleiterkrankungen versprechen nicht die gewünschte Wirkung.

Herkunft und Entwicklung

Die Blutdruck-OP ist ein relativ neues Verfahren, welches von deutschen und australischen Forschern entwickelt wurde. Erste Studienergebnisse wurden im Jahre 2010 vorgelegt. Dabei wurden 49 Patienten, deren oberer (systolischer) Blutdruckwert trotz Einnahme verschiedener Medikamente sich nicht auf gesunde Werte senken ließ dem Eingriff unterzogen. Nach der Verödung der Nierennerven war bei 84% der Probanden eine Senkung des systolischen Wertes gegeben. Dieser belief sich auf mindestens 10 mmHg. Nach einem halben Jahr belief sich der Wert auf 32/12 mmHg. Auch nach einem Jahr zeigte das Blutdruckmessgerät unveränderte Werte an. Der Blutdruck stieg auch nach weiteren zwei Jahren nicht wieder an.

Durchführung stationär/ambulant

Der Eingriff wird stationär unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Patient erhält Beruhigungs- und Schmerzmittel. Eine dünne Sonde aus Kunststoff wird in die Leistenarterie eingeführt und bis zur Nierenarterie vorgeschoben. Über den Katheter werden leichte Stromstöße freigesetzt. Diese Impulse führen zu einer Verödung der Nervenfasern. Der Eingriff ist als unproblematisch einzustufen und dauert etwa 30 bis 60 Minuten.

Kosten und Kostenübernahme

Der Eingriff kostet etwa 5.000 Euro. Für Patienten mit schwerer Hypertonie, welche eine Resistenz gegenüber herkömmlichen Behandlungsmethoden zeigen, werden die Kosten von den Krankenkassen in Deutschland derzeit nur auf Sonderantrag übernommen. Eine Studie in Amerika kam zu dem Ergebnis, dass die durch den Eingriff erzielte Blutdrucksenkung mit einer Placebo-Therapie gleichgesetzt werden kann. Die Studie ließ jedoch Schwächen erkennen, ist daher nicht haltbar und wird derzeit erneut durchgeführt.

Bild: 123rf.com / Andrey Cherkasov

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